Hausfrau – diese Lebensform gab es einmal. Als ich Kind war, waren Hausfrauen noch recht häufig anzutreffen. Niemals im Leben wollte ich selbst eine Hausfrau sein oder werden. Ich erkannte wohl die Abwertung hinter diesem Begriff.

Kindererziehung in der Familie

Viele Frauen blieben früher wenigstens einige Jahre bei ihren Kindern, wenn sie eine Familie gründeten. So war es auch noch, als ich mein erstes Kind bekam. Da ich vorher gearbeitet hatte, hatte ich Anrecht auf ein Jahr Karenzgeld und als Alleinerzieherin sogar auf noch zwei weitere Jahre. Danach bezog ich noch die Notstandshilfe und machte neben dem Baby die Matura und begann mein Studium. Für diese Möglichkeit bin ich von Herzen dankbar. Andere Mütter blieben einige Jahre lang zu Hause bei ihren Kindern – auch wenn sie verheiratet waren.

Als ich heiratete und mit meiner Familie nach Südamerika ging, war es bei mir auch so. Wir Frauen waren einfach Hausfrauen. Entweder abhängig vom guten Willen des Ehemannes, oder vom Staat. Das Ansehen der Hausfrauen und der Hausfrauenarbeit war damals schon denkbar schlecht. Die meisten Frauen nahmen das Hausfrauendasein auf sich, um ihren Kindern glückliche erste Lebensjahre zu ermöglichen. Kinderkrippen gab es, aber niemand wollte gern sein Kleinkind dort abgeben müssen. Deshalb gab es viele junge Frauen, die zumindest eine Zeit lang, Hausfrauen waren.

Hausfrauen nahmen Nachteile in Kauf

Selbstverständlich hatten Hausfrauen (außer in der Karenzzeit) kein eigenes Einkommen, keine eigene Krankenversicherung und für die Pensionsversicherung zählten diese Jahre auch nicht. Doch wer dachte schon an diese Dinge, wenn es darum ging, eine Familie glücklich zu machen! Diese Mütter fühlten, dass es für ihre Kinder am Besten war, wenn sie die ersten Jahre zu Hause verbringen konnten. Zu der Zeit, als meine ersten beiden Kinder klein waren, sah man auch wochentags viele Frauen (manchmal auch Männer, vor allem Studenten) in den Parks mit ihren Kindern am Spielplatz, an der Sandkiste.

Hausfrau – heute ist dieses Wort beinahe unbekannt. Wer längere Zeit nicht „arbeitet“ (also Geld verdient), wird verachtet. Es heißt nicht mehr: „Ich war Hausfrau“, sondern: „Ich habe nicht gearbeitet“. Diese Frau könnte auch sagen: „Ich war faul und wollte nicht arbeiten“. Oder: „Ich bin meinem Mann und der Gesellschaft auf der Tasche gelegen“. Oder: „Ich war einfach dumm und verdiene deshalb im Alter kein eigenes Einkommen. Meine Schuld…“

Hat eine Hausfrau eine Lebensberechtigung?

Hausfrau – irgendwann einmal waren alle Frauen Hausfrauen. So schlimm diese Zeit gewesen sein mag in Bezug auf Selbstständigkeit, Abhängigkeit vom Ehemann und persönliche Freiheit, verachtet wegen „Faulheit“ wurden diese Frauen nicht. Sie konnten gute Hausfrauen sein, oder schlechte. Aber prinzipiell wurde ihre Arbeit als solche anerkannt und sie hatten eine Daseinsberechtigung.

Heute gibt es in Europa nur noch wenige Frauen, die ihr ganzes Leben lang Hausfrauen waren. Ich oute mich: Ich bin eine von ihnen. Die Umstände waren so, dass ich es nur schaffte, neben der Familie und ohne versichert zu sein, zu arbeiten. Dafür kann man mich verachten, ausgrenzen und abwerten. Aber seltsamerweise lebe ich doch – auch wenn ich mir keine Lebensberechtigung „erwirtschaftet“ habe. Mein Leben verlief anders, als das der heutigen jungen Frauen.

Gegenseitige Unterstützung und Ermutigung

Ich urteile nicht, beurteile weder die Situation der Frauen heute, noch der Frauen früher. Und vor allem verurteile ich niemanden für seinen Lebensweg. Das gilt auch für das Ausüben eines Berufes, egal ob es sich um eine Prostituierte, eine Hausfrau oder um eine Frau im Vorstand eines großen Unternehmens handelt. Ich bin der Meinung, dass wir das Leben anderer nicht beurteilen können, solange wir nicht in den Schuhen der anderen Person gegangen sind. Und vor allem Frauen sollten ihren Schwestern nicht in den Rücken fallen. Denn wir sind diejenigen, die Kinder bekommen und sie (hoffentlich) liebevoll bis ins Erwachsenenleben begleiten. Ob wir diese Aufgabe bewältigen, indem wir die Erziehung der Kinder in fremde Hände legen oder selbst für unsere Kinder da sein wollen – in jedem Fall werden uns Nachteile daraus erwachsen.

Nur wir Frauen selbst können es sein, die sich gegenseitig beschützen, ermutigen und unterstützen. Kein Gesetz der Welt, keine „Gesellschaft“ und kein Gericht kann diese Rolle übernehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob es jemals so weit kommen wird, dass wir Frauen uns dessen bewusst werden und uns gegenseitig mit Achtsamkeit und Liebe begegnen.

Zusammenarbeit

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