Gestern las ich eine Warnung:

“Lass nicht zu, dass dich deine Einsamkeit zurück in die Arme eines toxischen Menschen treibt”

Wie wahr, wie wahr! Und doch ist es die Angst vor der Einsamkeit, die viele von uns daran hindert, von schlechten Lebenssituationen und schädlichen Menschen Abstand zu nehmen. Die (meist spärlichen) Momente, in denen wir uns bei toxischen Menschen doch gut aufgehoben fühlen, fallen schwer ins Gewicht, wenn Einsamkeit und Alleinsein drohen.

Ich kenne das. Noch heute denke ich manchmal mit verklärtem Blick an die Zeit zurück, wo „wir“ eine Familie waren. Ich hatte meine klar definierten Aufgaben, auch wenn mich niemand dafür auch nur beachtete. Aber die Freude an den Kindern war größer, als jedes warnende Gefühl, das ab und zu aufkam. Ich ließ dieses Gefühl nur sehr selten aufkommen oder lehnte es entrüstet ab. Ich wollte für meine Familie da sein, denn es fühlte sich gut an.

Hinsehen und die Wirklichkeit anerkennen

Doch Familie ist nicht für immer. Kinder werden groß und gehen. Zurück bleibt das nackte Skelett der Beziehung. Wie ein Baum, der im Herbst seine Blätter verliert, fühlt es sich an. Immer deutlicher und deutlicher wird, was nur Traum und Wunschdenken war und was Wirklichkeit ist. Auch Wegsehen hilft nichts. Wenn man mit einem toxischen Menschen zusammenlebt, wird es immer wieder und immer häufiger Schmerz, Kummer und alle Folgen des Liebesentzuges zu fühlen geben. Die Beziehung wird unerträglich, wenn man einmal weiß, was los ist.

Auch vor dem Menschen zu fliehen, der einem nicht gut tut, indem man sich so wenig wie möglich sieht, hilft dann nichts mehr. Das Gift, das in der Beziehung seit Jahren wirksam war und die eingespielten Beziehungsmuster bleiben erhalten. Aufklärung und immer klareres Sehen helfen dann endlich, an eine endgültige Trennung zu denken.

Trennung ohne Illusionen

Jetzt kommen die Probleme aber erst so richtig ins Rollen, denn der toxische Partner wird nicht von einem Tag auf den anderen verständnisvoll und lässt dich einfach ziehen.

Es wird schwierig, emotional herausfordernd und Ängste tauchen auf. Die Angst vor dem Leben, wenn man auf sich allein gestellt ist, aber auch die Angst vor der Einsamkeit. Spätestens dann findet eine Zerreißprobe statt: Halte ich die Angst aus und wage den Schritt, oder kehre ich in die altbekannte Situation mit dem toxischen Menschen zurück? Diese Entscheidung treffen wir gewöhnlich häufiger als einmal.

Ist Ablenkung eine Lösung?

War es anfänglich nur die Angst vor der Einsamkeit, so wird es später – wenn die Entscheidung gegen die toxische Beziehung gefallen ist – das Gefühl der Einsamkeit selbst, dass uns wieder in die altbekannte Situation mit dem für uns schädlichen Menschen zurücktreiben will. Diese Gefahr ist groß. Die Versuchung kommt auf jeden Fall auf, wenn die Dinge nicht so ganz laufen, wie wir sie uns vorstellen. Wenn uns das Alleinsein wirklich bewusst wird.

Deshalb flüchten viele Menschen sofort in eine neue Partnerschaft (die im allgemeinen nach dem selben Muster oder ähnlich verläuft, wie die alte). Oder wir leben mit anderen Menschen so nah es geht zusammen und „flüchten“ zu Verwandtschaft. Eine Möglichkeit ist es auch, sich durch Arbeit abzulenken. Arbeitskollegen und Freunde können das Gefühl der Einsamkeit verringern. Es gibt Methoden der drohenden Einsamkeit zu entgehen, oder sie zu verringern. Aber helfen sie auch wirklich, am Weg zu innerem Wachstum? Am Weg zur wirklichen Reife und spirituellem Fortkommen? Ich glaube nicht.

Aus dem Gefühl der Einsamkeit lernen

Ich kenne das Gefühl der Einsamkeit sehr gut. Ja, es ist ekelhaft. Ja, die Versuchung ist groß, eine neue Beziehung zu suchen oder sogar in die alte zurückzukehren. Wer einsam ist, ist sehr verletzlich. Letzten Endes ist Einsamkeit kein natürlicher und erwünschter Zustand unseres Seins. Das stimmt schon. Das ist bei allen negativen Gefühlen der Fall. Unser natürlicher Zustand ist nicht die Trauer, die Wut, die Angst und die Verzweiflung. Aber eben diese Gefühle zeigen uns unseren schwachen Punkt. Sie zeigen uns, wo wir annehmen, lernen und noch wachsen dürfen. Und das Leben schickt uns garantiert die richtigen Situationen dafür.

Wenn das Gefühl der Einsamkeit ganz stark ist und ich es schaffe, nicht zum alten Partner zurückzukehren oder mich durch andere Menschen und Gelegenheiten abzulenken, dann habe ich in diesem Moment die Gelegenheit, zu wachsen. In all meiner Verwirrtheit und dem Schmerz stecken ein großes Potential. Es ist die Möglichkeit, zu erkennen, dass all meine Gefühle und von anderen übernommenen Glaubenssätze nur eine Illusion darstellen. Nichts davon ist wahr.

Annahme dessen, was ich selbst erzeugt habe

Wenn ich mich nicht mehr wehre gegen dieses unangenehme Gefühl und es stattdessen annehme, als das, was jetzt da ist,  wird das Gefühl der Einsamkeit plötzlich interessant. Es wird Teil meines Lebens und steht im Moment sogar im Mittelpunkt. Dieses unangenehme Gefühl, das ich fühle, kommt aus meinem Körper, aus meinem Gehirn, produziert durch Botenstoffe, die ich selbst hergestellt habe. Es gehört also zu mir. Will ich mich selbst kennenlernen, so muss ich auch das Gefühl der Einsamkeit (genauso wie alle negativen Gefühle, wenn sie auftreten), ansehen. Bewusst ansehen. Wie einen Freund, der schon lange in mir wohnt.

Ich kenne das Gefühl der Einsamkeit. Ich weiß auch schon, wie toll es sich anfühlt, wenn es sich in bedingungslose Liebe verwandelt. Das macht es mir leichter, mit diesem Gefühl zu leben, wenn es immer wieder einmal auftritt. Ich setze mich nicht unter Druck, diese Verwandlung des Gefühls jedes Mal zu erfahren. Oftmals verhindern meine Gedanken das, weil sie nach „Lösungen“ für meine Situation suchen. Das ist auch in Ordnung.

Negativen Gefühlen keine Macht geben

Aber eines weiß ich genau: Weder dieses Gefühl der Einsamkeit, noch sonst irgendein schreckliches Gefühl, wird in der Lage sein, mich wieder zu dem oder den Menschen zurückzutreiben, die mir nicht gut tun. Ich bin dabei, mich selbst kennenzulernen. Als Mensch und als unendliche Seele. Als irdischer Körper und als bedingungslose Liebe. Das alles bin ich. Verbunden mit dem Universum und Allem – Was – Was – Ist. Wie könnte es da noch Einsamkeit geben?

 

 

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